KKK-Kunst Klang Krieg

Vintila Ivanceanu und Josef Schweikhardt: Am Anfang war der Ur-Knall und der Klang des Wortes, nicht das geschriebene – eine kongeniale Metaphysik des Klanges.

Sender Freies Berlin

Rückblick auf 13 Jahre experimentelles Hörspiel beim SFB für das Studienzentrum für Künstlerpublikationen Weserburg – Museum für moderne Kunst

Ortsbestimmung der Radiokunst

Neue Zeitschrift für Musik 04/2005

Radio als Kunstapparat

Beitrag zum Symposiumsband „Radio as Art“ für das Studienzentrum für Künstlerpublikationen Weserburg, Bremen 2018

Radio as Art? – Herz oder Galle?

 

Was ist Radio und wo spielt es sich ab?
Was meint senden und was… empfangen?
Was ist dazwischen? Der Raum? Der Äther!

 

Und was ist der Äther?
Raum und Ort der Wellen, Wellenluft, Luftreich.
Reich der Medien!

 

Die Transformation des Radios.
Was ist (uns) Radio?
Wer sendet? Und wer empfängt?
[aus Dr. Arno Amian: Paranormale Medientheorie – Bandrauschen, Kap. 5: Stimmen]

 

Der Text fragt nach dem „Rest“ Radio, bzw. den Perspektiven des Apparates nachdem er seine historisch den Sendebetrieb stetig hinterfragenden und fortentwickelnden Radiokunstlabore weitestgehend abgeschafft hat.

 

© Andreas Hagelüken 2015 für das Studienzentrum für Künstlerpublikationen Weserburg – Museum für moderne Kunst, erscheint vorauss.02/2018
in: Anne Thurmann-Jajes / Ursula Frohne / Jee-Hae Kim / Maria Peters / Franziska Rauh / Sarah Rothe (eds.), „Radio as Art – Concepts, Spaces, Practices“
Kehrer-Verlag, voraussichtlich 02/2018, ISBN 978-3-8376-3617-8

Hör!Spiel! – Lauschend den Alltag wahrnehmen

Eine noch im 20. Jh. vielfach geäußerte Formel belehrte unartig erscheinende Kinder mit dem Spruch ‚wer nicht hören will muss fühlen!’ Natürlich wird hierin auch eine mögliche Erweiterung des Erfahrungshorizontes trotz verminderter Hörfähigkeit angesprochen, eigentlich aber wird der Anschein erweckt, das eine schließe das andere aus: Entweder hören oder fühlen?
Heute wissen wir: beide Sinne – wie alle anderen übrigens auch – stehen in stetem Austausch miteinander, ergänzen sich wechselseitig und schaffen der Welt des Kindes ein Bewusstsein. Anders gesagt sind es alle Sinneswahrnehmungen im Zusammenspiel, die dem Kind ein Bild malen, das ihm im späteren Leben Orientierung und Halt geben wird – als auf sinnlichen Erfahrungswerten aufgebautes Wissen, Verhaltensmuster und emotionale Bestimmung. Technisch verabschiedet sich unsere Gesellschaft derzeit von diesen unmittelbaren, sinnlichen Erfahrungswerten und sucht sie durch digitale Spiegelungen zu ersetzen – sehen wird zunehmend medialisiert, geschaut wird auf und durch Monitore, tasten ward zu touchen, hören zum chilen. Umso bedeutender scheinen Sonderprogramme zu werden, die sich speziell der Sinneswahrnehmung zuwenden, ein Bewusstsein für die spezifischen Qualitäten jedes einzelnen Sinnes und aller zusammen schaffen, um somit dem Kind ein notweniges Selbstvertrauen in einer Welt zu vermitteln, die bei aller Verfremdung durch die Technik immer noch und immer weiter analog funktioniert.

 

in: SPEZIAL zu Welt des Kindes, Hrsg.: KTK – Bundesverband e.V., Heft 4/2017, 95. Jahrgang, Freiburg 2017

HORCH was kommt von draußen rein – Hörräume des Radios

Empfangsraum. Produktionsraum. Senderaum. Imaginierter Raum. Erzählter oder ästhetischer Raum und technisch realisierter Raum: die Kunst des Radios ist das Spiel mit den Räumen des Apparates und ihrem Verhältnis zueinander.

 

in: Klangräume der Kunst, Hrsg. Peter Kiefer i. A. Kunsthochschule für Medien Köln, Johannes Gutenberg Universität Mainz, Kulturstiftung des Bundes, Heidelberg 2010.

 

ganzer Text als PDF: Horch

 

Internationale Digitale Radiokunst“ beim Sender Freies Berlin 1993-2006

Rückblick auf 13 Jahre experimentelles Hörspiel beim SFB für das Studienzentrum für Künstlerpublikationen Weserburg – Museum für moderne Kunst.

 

© Andreas Hagelüken 2008 / IDR beim SFB

 

ganzer Text als PDF: SFB-Radiokunst

 

Hörgeräuschmusiksprachspiel – eine historische Ortsbestimmung der Radiokunst

Wo die Stülle is amm stüllztn
Fülld dr Mansch süch wull am wüüllsdn.
Ümmmarzu ond euburall
Dräunit onz das Drummulfall.

 

Matthias Koeppel aus „Starckdeutsch“, ein Literaturzitat

 

Der Terminus Radiokunst, also die Idee einer originären Kunst für das Massenmedium, ist so alt wie der Beginn des regelmäßigen Sendebetriebes aus dem Berliner Voxhaus (1923), und er entwickelte sich parallel zu den funktionalen Bindungen des Radiobetriebes, die als Widmung im Sinne von Bildung, Unterhaltung oder Politik und Lenkung der Massen beschrieben werden kann.
-Bei der Entwicklung ästhetisierender Spielformen gerade im Radio war die dem Medium jeweilig zur Verfügung stehende Wiedergabe-, Speicher- und Bearbeitungstechnik von entscheidender Bedeutung. Frühe Collage-Experimente mit Filmtonspuren, Wachszylindern und Schellackplatten belegen das. Die in den 50er Jahren eingerichteten Experimental-Studios in Funkhäusern stehen für ein reges Interesse sowohl an musikalischen Entwürfen für den Rundfunk als auch an der Schaffung einer genuin radiophonen Kunst.

 

Der Text stellt die Genese der Radiokunst in einen musik- und medienhistorischen Kontext.

 

© Andreas Hagelüken / Neue Zeitschrift für Musik 04/2005

 

ganzer Text als PDF: Hoergreraeuschmusiksprachspiel

Melancholie und Klangkunst

So wie der Musik therapeutische Eigenschaften für den Melancholiker des Mittelalters, der Renaissance, ja selbst noch der Romantik nachgesagt wurden, so könnte der Klangkunst diese Funktion für den postmodernen Menschen zukommen, insofern das späte 20. Jahrhundert die Menschen vor Aufgaben stellt, die tendenziell auf eine Definition des Selbstwertes zielen und eine neue Qualität der Selbstbehauptung oder stetigen Positionierung jenseits der bloßen Nahrungsbeschaffung fordern.

 

in: Neue Zeitschrift für Musik, 11/2006, Schott-Verlag

 

ganzer Text als PDF: Melancholie und Klangkunst

Musealisierung von Klangkunst

Klanginstallationen lassen sich nicht wie Gemälde oder (stumme) Skulpturen als Gruppenaufbau im Gemeinschaftsraum ausstellen und wer es dennoch tut, zielt am Wesen der Klangkunst vorbei. Ein Apell an die Konsequenz.

 

Eröffnungsrede im Kulturbahnhof Kassel anlässlich der Eröffnung des temporären Klangkunstmuseums am 4.9.2004

 

ganzer Text als PDF: Klangkunst museal?

Im Untergeschoss – UG3

„Cage für Anfänger“ als Einstimmvorgang auf drei Tage voller Sound und Aktion in der (alten) UB-Garage Freiburgs. (2009)

 

ganzer Text als PDF: Klangkunst im Parkhaus?

 

Sabine Sanio (Hg.): „borderlines“ von Georg Klein, deutsch/englisch

[Kehrer-Verlag], Heidelberg 2014

 

Klangkunst ist ortsgebunden, d.h. sucht sich ihren Ort um (genau) da zu sein. Häufig klingt es auch, denn Klangkunst bringt Stimmen, Klänge und Geräusche zu bestimmten Orten oder ruft sie in ihnen auf. Dabei geht es zumeist um die klangliche Inszenierung des Ortes selbst oder historische Ausgrabungen nach dem Prinzip ‚hören was nicht mehr zu sehen ist und sehen, was gegenwärtig blieb‘.

 

Georg Kleins Arbeiten zielen in eine andere Richtung, auch wenn sie den konkreten Ortsklang reflektieren und mitunter historisch aufgeladene Orte als Vehikel nutzen. Für Turmlaute 2: Wachturm war ihm 2007 bspw. ein DDR-Grenzturm so ein historisches Vehikel für die vermeintliche Verführung zur Denunziation beim Urlaub an den EU-Außengrenzen. Seine Arbeiten zielen auf die Gegenwart, inszenieren Orte als Situationen, in denen man sich umtut. Sie dekonstruieren die Prozesse, die unser Leben maßgeblich bestimmen und uns trotzdem oft fremd sind. Kleins Interventionen verorten Phänomene, Theorien und die kritische Reflexion, sie rütteln an Gewissheiten oder angelernten Fluchten, sind inhaltliche Wegmarken, entlang derer der hinzugezogene Besucher zum Grenzgänger wird. Formal steht Klangkunst – junges Gemüse im Vorgarten der alten Musen – ohnehin im Grenzland. So liegt es nahe, Kleins klangkünstlerisches Schaffen seit 2001 (transition – berlin junction) unter dem Begriff der Grenze zu subsummieren: borderlines von Georg Klein, der deutsch-englisch ausgeführte Katalog, geht nicht nur von der weit verbreiteten Auslegung der Klangkunst als Grenzdisziplin oder randständiger Kunst per se aus, sondern vertieft sich im Begriff der Grenze und Grenzziehung als Dreh- und Angelpunkt, an dem konkret Kleins Schaffen auszumachen ist.
(…)

 

ganzer Text als PDF: Rezension borderlines

Axel Volmar / Jens Schröter (Hg.): Auditive Medienkulturen. Techniken des Hörens und Praktiken der Klanggestaltung

[transcript], Bielefeld 2013

 

Die Frage was „Musik“ wohl sei und was sie im innersten zusammen halte, ja woher sie sich nähre und worauf sie abziele treibt die traditionelle Musikologie seit ihrer Ernennung zur wissenschaftlichen Geistes-Sonder-Disziplin um. Ihr Manko aus heutiger Sicht: sie achtete die Umstände nicht. Z.B. die Medien: inwiefern sind sie dem immanent, was wir als Musik rezipieren, was bewirken sie, und wie schreiben sie sich ein? Was überhaupt meint in diesem Zusammenhang „Medien“?

 

Die Spur führt über Foucault, McLuhan und Kittler. Die Hoffnung dahinter ist, zu einem Musikbegriff zu gelangen, der auch der Musikwissenschaft wieder einen Zugang zu aktuellen Diskursen eröffnet. Denn an ihrem Beispiel lässt sich ablesen, wie sehr eine fakultative Disziplin von ihrer Zeit überholt werden kann und in nur wenigen Dekaden einen existentiellen Bedeutungsverlust erleidet. Altersstarrsinn? Was macht der Schuster mit seinen Leisten, wenn er nur einen Schraubenzieher hat? Wie wird es damit den Leisten ergehen? Konkret: wie nähere ich mich einem Werk nicht notierter Musik? Wie fasse ich sein Material, das sich einzig als gestalteter Klang vermittelt und je historisch, performativ, narrativ, anekdotisch, abstrakt oder wie auch immer angelegt ist.
(…)

 

ganzer Text als PDF: Rezension Auditve Medienkulturen

Rezension für die Neue Zeitschrift für Musik (Heft 5/2008)

 

Christina Kubisch: Five Electrical Walks

Important Records IMPREC167

 

Hörwege sind eine kunstfertige Antwort auf die Erfindung des Walkmans und mp3-Players und gelten als höhere Form des Audiotainments, der interaktiven Unterhaltung und Aufklärung mittels Zuspieler und Kopfhörer. Im Falle der „Five Electrical Walks“ war der Zuspieler gar ein selbsttönendes Lesegeräte im Kopfhörerformat.
Hörwege, und gemeint sind nicht die auch prosperierenden Audioguides, sind der interaktiven Installation verwandt. Sofern sie sich, wie die raumbezogene Hörplastik auch, erst im Rezipienten, sprich Gehenden ausformulieren, erweitern sie den Begriff der Klangkunst und behaupten durch diese Abhängigkeit von der individuellen Lesart in einer linear nur bedingt vorgegebenen Ordnung ihre Eigenständigkeit gegenüber der Tonkunst.

 

Die „Electrical Walks“ Christina Kubischs basieren auf gewöhnlichem Elektrosmog, d.h. die „Installation“ ist sowieso da. Durch einen Kopfhörer mit Induktionsschleifen als Hörmechanismus wird sie erfahrbar, durch Bewegung im Raum lässt sie sich ordnen.
(…)

 

ganzer Text als PDF: Rezension Electrical Walks

Rezension für die Neue Zeitschrift für Musik (Heft x/2008)

Vintila Ivanceanu und Josef Schweikhardt: KKK – Kunst Klang Krieg

Passagen-Verlag, Wien 2008 (ISBN 978-3-85165-857-6)

 

Dass die Welt (Brahma) aus Nada besteht, also Klang ist, wissen wir bereits seit Joachim-Ernst Berendts ähnlich lautendem Buchtitel von 1983 – vielleicht in konsequenter Fortführung der Tradition erster, freilich noch rein empirisch fundierter Aussagen zum Urstoff der Welt, deren Vorreiter Thales von Milet, vor über 2600 Jahren, dem HÖREN-SAGEN nach, Wasser zum wesentlichen Stoff allen Seins machte. Heute wissen wir es besser: die Welt IST Klang. Eigentlich hätten auch die Generationen vor uns darauf kommen können, so sie sich vom kritischen Diskurs etwas begeisterter gezeigt und Martin Luthers laxe Übersetzung am Anfang sei das Wort gewesen nicht so einfach abgesegnet hätten. Denn es steht geschrieben: am Anfang war der Klang des Wortes. Womit seit knapp 500 Jahren – den Schriftgelehrten natürlich schon immer – klar ist, dass das Ohr das erste von Gottes Worten gesegnete Sinnes-Organ (Altdeutsch Ohrgang!) gewesen sein muss und somit der Schlüssel zum Sein der Welt. Metaphysik des Klangs also.
(…)

 

ganzer Text als PDF: Rezension KKK

Hören – Klang-Kunst

Über die der Klang-Kunst immanente Bereitschaft zuzuhören hinaus – ein Hören das immer des eigenen Zutuns und reflektierenden Denkens bedarf – werden die gewöhnlichen und unterbewusst ablaufenden Reiz-Reaktions-Muster aufgebrochen, wodurch eine neue oder modifizierte Wahrnehmung des „Altbekannten“ ersteht. So etwas muss mit dem Modewort „Achtsamkeit“ gemeint sein: die Hinterfragung der gewöhnlichen Erklärungsmodelle und Routinen und die Entdeckung neuer Einsichten dahinter.

 

Gerade das hörende sich Hinwenden zu alltäglich überhörten, weil unter anderen Prioritäten wahrgenommenen Phänomenen und Abläufen, gerade also das Hören vermittelt komplett andere Zugänge und zeitigt entsprechende neue Erfahrungen – ganz zu schweigen vom Gewinn des sich selbst in seiner Wahrnehmung reflektierenden, dank Konsumismus gewöhnlich knapp an der totalen Verzweiflung entlang rutschenden Subjekts.