Hörkunst…

meint das die Kunst des Hörens oder das Hörkunstwerk?

Funk

Überwindung des RAUMs mittels Telegraphie

So- oder Da-Seinsbestimmungen

per Hörspiel

Funk

auf dem Weg zum absoluten Ohr: Loslösung vom UrsprungsORT der Schallquelle

Positionierung

im Feature

Hörstationen

sind vertikale Klanggebilde. Sie führen durch die Schichten der Zeit am konkreten Ort.

Funk

auf dem Weg zum absoluten Ohr: Überwindung der ZEIT dank Aufnahmeverfahren

Ars Acustica

die Welt im anderen Sinn

Funk

Stille

GPS als Audioverortung

die Rückbindung der Ereignisse an ihren Entstehungszusammenhang

kühlschrank…

langsam wahnsinnig, Kühlphase sehr laut, brummt pfeift, piepst. Das Brummen nicht stört. Die hohen Töne! Geräuschempfindlich. Offene Küche sowie Ess- und Wohnzimmerbereich, keine Türe schließen, ziemlich runtergedreht, zwischen 1 und zwei sehr laut brummt. Was machen kann? Kühlschrank! Nervt beim Schlafen. Laut ist. Hochschrank und neu viel kosten. Total in Ordnung bis auf Brummen.

 

Meiner gurgelt dagegen wunderschön, gurgelt wunder schön…
fridge_sw

 

Hilfe, wenn der Kühlschrank zu laut ist:
moderner Kühlschrank wenig Strom, lauter als die alten (warum?), hilft nur verbannen, Kühlschrank aus der Küche in den Keller oder Abstellraum Stimmen: Jasmine Tutum, Heinzl Spagl and David Nolte
Violine: Lenka Župková
Bass: Martin Klein
Dank an Dr. Thomas Loop
randfunk/rAdioCUSTICA, Czech-Radio, Prag 2014, ORF-Kunstradio 2015
Redaktion: Ladislav Železný ‚
Dauer: 15’06“

die biennale der margarita s.

James Joyce schreibt Bücher die im Hören sich entschlüsseln. Joseph Beuys Werk öffnet sich über die Bestimmung seiner Materialien und eine Analyse ihrer spezifischen Eigenschaften: Filz wärmt. Fett isoliert. Kupfer leitet. Die soziale Plastik ist tastbar. Paul Celans dichterisches Werk entpuppt sich in der musikalischen Analyse als symmetrische Komposition und schlüsselt sich darin auf. Paul Klee hörte seinen Farben beim Auftragen auf die Leinwand zu und Arnold Schönberg wurde es ganz bunt beim Komponieren. Von den Romantikern wollen wir hier gar nicht reden.

 

Auch die Kunstgeschichte, die Seite der Kritik und Rezeption ebenso wie die der Schaffenden, kennt den Gedanken der Synästhesie als einer Sinnen-Korrespondenz schon lange.
Warum also nicht einmal einer großen Kunstausstellung mit wachen Ohren begegnen und über die Analyse der Klänge einzelner Installationen und Arrangements die Annäherung versuchen? Hörend die biennale in Venedig zu besuchen hieße ja nicht, sich der Kunst gegenüber zu verschließen sondern eher den Blick durch eine ungewohnte Perspektive zu ergänzen, zu schärfen höchstwahrscheinlich doch. Das eigentliche Geschehen wird vom Hintereingang oder der Kulisse her betreten.

 

Wie das gehen kann und welche überraschenden Einsichten sich auftun, führt dieses Stück vor: Die biennale der Margaretha S.“ ist der Besuch einiger ausgewählter Pavillons der biennale 2011 in Venedig durch eine Kunsthistorikerin. Ermuntert vom Autoren versucht sie eine Annäherung an ihr vertraute Künstler über das Hören.

Decisions – Entscheidungen 02

Decisions_partitur

 

von Christoph Mayer chm. und Andreas Hagelüken
(Auszug) Weiße, kontrastlose Weite. Erst einmal ist so wenig zu erkennen wie in einem absolut dunklen Raum, nur dass es hell ist. Stimmen. Sounds, Räume als stetig fortschreitende Klanggestalt. Eine Stimme unter vielen bleibt. Sie führt heran an verschiedene Vorstellungsräume und scheint gleichzeitig selbst darin zu sein. Die Stimme könnte die eigene Innere Stimme sein.

 

Decisions ist ein Projekt, das die Bestimmung einer Position untersucht und hinterfragt. Aus welcher Perspektive erkennt man eine Situation? Wie wird eine Entscheidung getroffen? Ist der Moment der Entscheidung wahrnehmbar? Decisions erforscht den Raum, der in einem selbst entsteht, wenn man die Positionen anderer zu verstehen versucht. Wenn man sich in andere Menschen tief hineinversetzt, werden deren Beweggründe des Handelns nicht mehr bewertet. Gibt es dann noch so etwas wie eine eigene Position? Welcher Zustand ist das?

 

mit: Ulrich Noethen
Musik: Kai-Uwe Kohlschmidt / ah
hr2-kultur, Deutschlandfunk 2011
Redaktion: Ursula Ruppel
Dauer: 36:15

Ton Steine Alsfeld – auf Alsfelder Pflaster unter Autobahnen

Zwei Hessen: der eine aus Einhausen/Heppenheim, der andere aus Homberg. Zusammen verließen sie kurz hinter „Krachgarten“ die A5 und kamen nach Alsfeld, um genau hier auf Hessen zu hören. Ein lauer Frühsommerabend auf dem Marktplatz und die immer noch laue Nacht lieferten Sounds, die das Zeug hatten, ein Stück mit spezifischem Ortbezug zum Städtchen zu schaffen: quietschendes Kopfsteinpflaster, hessisches Gebabbel und Sprichwörter, Interviews mit dem Bürgermeister und seinem Gefolge, Glockenspiel, Marktgeschrei etc und über allem das Singen der LKW-Reifen auf dem Belag der über die umliegenden Hügel laufenden A5

 

Komposition: Ralf Freudenberger und Andreas Hagelüken
Redaktion: Stefan Fricke / hr2-kultur, 2010
Dauer: 28:50

les bruits affreux

von Valeri Scherstjanoi und Andreas Hagelüken

 

So sind wir also Luftwesen aus dem Wasser
und dann von der Erde gekommen…
(Henri Chopin)

 

chopin

 

Die Geräusche der Triebwerke und die teils extrem gedehnten Atem- und Zischlaute sind klangverwandt, verhalten sich in der Bearbeitung ähnlich und beginnen aufeinander zu verweisen. Von ihnen erhoffe ich eine tonal deutbare, also etwas freundlichere Struktur. Ich halte mich fest an den entstehenden akkordischen Flächen. Valeris Krächz-, Röchel- und Grunzlaute dagegen machen mir (unter dem Kopfhörer) zunehmend Angst.
Ich besinne mich des Planes: Landschaft aus Lärm mit seltenem Vogel – egal ob die Natur die Schrecklichkeit der Geräusche ist.

 

Redaktion: Markus Heuger, WDR 3 open – Studio akustische Kunst 2009

Das unsichtbare Lager – AUDIOWEG GUSEN

von Christoph Mayer chm.
Radiofassung von chm und andreas hagelüken
(Auszug)

 

Gusen ist ein Ort in Oberösterreich und ehemaliges Konzentrationslager. Von ähnlicher Bedeutung wie Buchenwald, wurde es jedoch im öffentlichen Bewusstsein weitgehend ausgeblendet. Heute wird das Areal von Unternehmen und Privatpersonen genutzt.

 

Wie lebt es sich an einem solchen Ort? Was sagen die Betroffenen von damals und heute dazu? Gibt es ein Gedächtnis des Ortes selbst? Der Autor befragte heutige Bewohner und ehemalige Häftlinge sowie Soldaten des Lagers nach ihren persönlichen Erinnerungen und Sichtweisen des Ortes. Mit einer Projektgruppe produzierte er einen permanenten Hörweg durch die Landschaft.

 

„Menschen erzählen, was sonst unausgesprochen bleibt. Man hört, was nicht mehr zu sehen, und sieht, was gegenwärtig ist. Es wird möglich, ein und denselben Ort aus völlig unterschiedlichen Perspektiven in Relation zu setzen zu sich selbst.“

 

audioweg.gusen.org

 

Musik: Kai-Uwe Kohlschmidt
Darsteller: Jule Böwe u.a.
Produktion: Autorenproduktion für Deutschlandfunk 2009
Länge: 55’50“

Berlin ein Lautgedicht

(Auszug)

 

1977 siedelte der aus der Sowjetunion stammende Lautpoet Valeri Scherstjanoi ins Erzgebirge der damaligen DDR über, wo er später auf Carlfriedrich Claus traf. Claus hat Scherstjanoi in die Szene der experimentellen Literatur in der DDR eingeführt und ihm Kontakte zu den im Westen lebenden Lautdichtern vermittelt.
Im Laufe der Jahre experimentierte er zunächst mit den Lauten seiner Muttersprache, und entwarf eigene Handschriften, die neben Semantik und Phonetik ebenso die Emotionalität notierten. Daraus entstand sein System der sogenannten “skribentischen Zeichen”: Schreiben als Beitrag zur bildende Kunst, Lesen als Lautpoesie.

 

Scherstjanoi lebt seither in Berlin, das ihm und seiner lautdichterischen Arbeit zur zweiten Heimat wurde, zur Inspirationsquelle und Herausforderung.
Das Lautgedicht sucht all jene Orte und Plätze Berlins auf, die sich konkret in Scherstjanois umfassendes Werk eingeschrieben haben. Aus Improvisationen und Archivmaterialien entsteht eine Klang- und Laut-Reise durch Berlin und das Werk des Lautpoeten zugleich. So portraitiert „Berlin – ein Lautgedicht“ sowohl die Werk-Geschichte des Sprachkünstlers Valeri Scherstjanois als auch die Stadt selbst in Form einer Klanglandschaft aus Geräuschen, Atmosphären und Stimm-Materialien.

 

besonderer Dank gilt: Jan Peter Sonntag, Jean Szymczak, Dieter Schulte und Raimond Curtis (NADA-Berlin)

 

Redaktion: Markus Heuger
WDR 3-Studio akustische Kunst 2005
Dauer: 46:29

Stare

und

Punk at the studio DLR

Von Juli 2002 bis Juli 2003 gestaltete der Künstler und Musiker Chris Cutler das Radioprogramm „Out of the Blue Radio“. Das Programm war ein täglich wechselndes Szenario an ungeschnittenen und unbearbeiteten Field Recordings, ähnlich den Geräuschen und Klängen, die durch ein offenes Fenster dringen; es wurde auf dem unabhängigen Sender Resonance FM von 23.30 bis Mitternacht ausgestrahlt.

 

„Meine Idee für diese Sendung war es, den HörerInnen das Ohr einer anderen Person für jeweils eine halbe Stunde zu „leihen“; ein Fenster zu einer anderen Geräuschkulisse zu öffnen – entfernt oder nah -, die nicht ident mit der eigenen akustischen Umgebung ist. Die AutorInnen, die uns ihre Ohren zur Verfügung stellen, gestalten durchgehende, ungeschnittene halbstündige Aufnahmen von einem Ort ihrer Wahl, aufgenommen zwischen 23.30 Uhr und Mitternacht Londoner Ortszeit; d.h. halb vier Uhr nachmittags in Vancouver, 7.30 Uhr morgens in Peking oder 00.30 Uhr in Wien. Sie schicken diese unbearbeiteten Aufnahmen dann nach London, wo sie wie sie sind gesendet werden.“ (Chris Cutler)

 

Beide halbstündigen Beiträge von randfunk für „Out of the blue Radio“ entstanden in Berlin 2002.
Die Stare waren hunderte von Staren, die sich in den drei großen Kastanien in unserem Innhof in einer tropisch warmen Sommernacht nieder ließen und ein wogendes Meer aus Gezeter und Beruhigung erzeugten.

 

Punk at the studio DLR wurde während der Nachtschicht bei der Featureproduktion „Sex Pistols“ im Regieraum mitgeschnitten.

Die Rettung

rettung Alles beginnt mit der Idylle der glänzenden See. Zwei Frauen erspähen ein Schiff und steigen ins Wasser um dorthin zu gelangen. Die See wird unruhig – das Meer und die Frauen. Das Meer schaukelt sich auf. Das Meer schaukelt die Frauen und die Männer im Boot. Derweil geraten die Frauen in Not. Schon nahen die starken Händen des Kapitäns und eines namenlosen Matrosen und retten die fast verlorenen Frauen. Nach einigem Hin und Her aus Danksagungen und Liebesbekundungen geht die Party dann erst richtig los.

 

So lässt sich in etwa das Geschehen der 1934 von Daniil Charms in seiner Kantate für vier Stimmen angelegten Erzählung zusammenfassen.
Am Ende dann sind alle glücklich vereint und „trinken den Wein, solange sie leben“. Daniil Charms verteilte die Protagonisten seiner 1934 für eine spontane Inszenierung unter Freunden notierten Erzählung auf die klassischen Stimmlagen Sopran, Alt, Tenor und Bass und setzte sie nach der formalen Vorlage der szenischen Kantate als lyrisch-dramatisches Vokalstück. Valeri Scherstjanoi fand die Vorlage und übertrug die Kantate vom Russischen ins Deutsche.
Übersetzung: Valeri Scherstjanoi

 

mit
S: Carine Limbosch
A: Margitta Eifler
T: Michael Lentz
B: Valeri Scherstjanoi
Regie: Andreas Hagelüken, Ton: Jean Szymczak
Produktion: P4, Berlin und randfunk 2001
Dauer: 7’24’

E-Union

1996: Helmut Kohl und überhaupt alle Euroren schwadronieren neben den blühenden Landschaften auch gerne vom „Haus Europa“. Schöne Idee! Gemeint ist leider primär der Wirtschaftraum und die Hoffnung auf höheren Profit oder das steigende Bruttosozialprodukt. E-Union fragt zaghaft nach den kulturellen Dimensionen des europäischen Hauses und ob das nicht ein lohnenderer Entwurf wäre. Lyrische Texte treten in Kontrast zu den marktplatzschreierischen Parolen der Politiker. Mit Blick auf das in Wildwestmanier wirtschaftsliberalisierende Europa der Gegenwart erscheint das Stück aktueller denn je.
Nach eigenen Texten und dem Gedichtszyklus Zappen.Duster/Zapper.Noir von Gerrit Walter.

 

Sprecher/Innen
Gerrit Walter, Dieter Schulte, Marc Derveaux (F), Ruth Fernandez Rodriguez (E), Fancisco Mingorance Ortega (E), Ines Henne, Daniel Horn, Helmut Kohl (als Kanzler), Theo Waigel (als Finanzminister), Andreas Hagelüken u.a.

 

Samples
Die Samples wurden der freien Dokumentations-CD horizontal radio (EBU- ars acustica Aktion/ORF-Kunstradiio 1996) entnommen.

 

Dank an
Wolfgang Baer, Take-One Studio, Freiburg

 

Konzept und Realisation
randfunk/SFB 1996

formeln – ein Heimat-Hörspiel

Eine Mundart-Collage zum Thema Heimat. Dem Hörstück liegt die Idee zugrunde, Deutschland anhand seiner Sprachenvielfalt (Dialekte) als das vorzuführen, was es ist: eine Zusammenkunft von Regionalpatrioten und Separatisten, die sich unter dem Ideal eine Nation zu sein, gegen ein diffuses Außen abgrenzen. Statthalter des Ideals ist das bloße Konstrukt der hochdeutschen Sprache, die faktisch fast nirgendwo gesprochen wird. So werden Lokalpatrioten um ihre Definition von Heimat gebeten. Alle meinen irgendwo Deutschland, doch niemand versteht die Definition des anderen. Die einzigen, die tatsächlich verstanden werden können, sind die sogenannten Fremden, da sie um das „Hochdeutsche“ bemüht sind.

 

Bezweckt ist einerseits die Konfrontation des Hörers mit dem Begriff des Verstehens und dessen Interpretationsvielfalt. Das Verständnis lautsprachlich reglementierter Zeichenfolgen ist Ausgangspunkt und Bedingung menschlicher Kommunikation und Interaktion.
Über den Begriff des Verstehens thematisiert sich andererseits der Begriff der Sprache, die verstanden werden soll. Das Verstehen transportiert sich in unserem Falle über den Gebrauch der deutschen Sprache. Ein weiterer Begriff kommt in den Blick: Heimat. Fragt man im Land der gedachten Dichter nach den Konnotationen dieses Terms, so kristallisiert sich immer schnell heraus, dass es diesen einheitlichen Begriff von Heimat über seine sprachliche Behauptung hinaus eigentlich nicht gibt, dass genau gesagt allein die Sprache den Boden des Heimatbegriffes bestellt: in ihr trifft der Deutsche auf Gleichgesinnte. Da auch das nicht ganz richtig ist, müssen wir weiter denken: Deutschland ist der Wille zur Einheit von in sich separatistischen Volksgruppen („der Magdeburger ist kein Sachse, der Badenser kein Schwab, der Kölner kein Preuß und Friedrich der Große sprach sowieso nur französisch“ womit wir also wieder bei der Sprache sind). Das letztlich einende Moment der deutschen Vorstellung von Heimatgedenken ist ein gekünsteltes Gebilde namens HOCHDEUTSCH. Künstlich ist es, weil es fast nirgendwo gesprochen wird. Scharf geschlossen bedeutet uns das die Idealität von Heimat. Also: thematisiert ist in diesem Hörspiel nicht das Phänomen des „Fremd-Seins“, sondern eben das die Fremden ausgrenzen wollende „Deutsch-Sein“. formel-n ist eine Mundart-Collage zum Thema Heimat, entstand 1994 im Rahmen einer bundesweiten Kampagne namens „Fairständnis: gegen Ausländerhass – für Fremdenfreundlichkeit“. Ein Auftrag des Sozialamtes in Erftstadt bei Köln.

 

randfunk, Ton-Sound-Studio/SWF 1994

 

SprecherInnen
Alexandra Federer, Marlene Wenk, Dieter Schulte, Gerrit Walter, Andreas Hagelüken, Piotr Iwicki, Bernhard Seeber, Heiko Christians, Frau Fritsche aus Köln, Michael Reich, Simone Thomas, Matthias Lange

 

Musik
Ralf Freudenberger, Martin Klein, Andreas Hagelüken

 

Ton und Technik
Wolfgang Baer

Anleitung zum Selber hören

Selber_hoeren_Cover Zum Abschluss der Anthologie-Reihe wird das Hören an sich thematisiert. Welche Motivation kann zum Hören verleiten? Wie hört man eigentlich und was macht der Körper. Das zu ergründen wandte sich der Autor diesmal an den Nachwuchs der Hörkunst und befragte Sound Studenten in Karlsruhe, Darmstadt-Dieburg, Gießen und Berlin. Was war ihr schönstes Hörerlebnis, wie klingt Meeresrauschen, welche Klang-Farbe hat es und warum und ….. warum hören?!?
Selber hören(!) geht nach acht Jahren radiophoner Vermittlungsarbeit zwar davon aus, dass die regelmäßigen Hörer und Hörerinnen dieser Reihe längst den Dreh am Ohr heraus haben, um selbst die krudestens oder normalsten akustischen Phänomene und elektroakustsichen Entwürfe ästhetisch auslesen zu können, wendet sich also an all jene, die für das Selbstverständnis des Radios als Vermittlungsapparat zu spät gekommen sind.

 

mit: Judith Milz und Rosa Pfeil, David Loscher und Frank Bierlein, Simone Hartmann, Timmy Schneider und David Hermsdorf, Fanny Frohnmeyer und Serena Schranz, Sonja Heyer, Max Fuhrer, Malte Seddig und Conrad Rodenberg, Götz Naleppa, Sam Auinger und Michal Rataj

 

Redaktion: Frank Halbig
SWR 2011 /randfunk 2.3

Shanghai hören – Hörreise in die elektroakustische Subkultur Shanghais.

Digital StillCamera

 

Triebfeder der akustischen Kunst und Radiokunst ist – im weitesten Sinne – ein ästhetisierendes Hören des Alltags mit seinen Geräuschen und tönenden Manifestationen bewegter Objekte. Als historische Heimat dieses spezifischen Hörens gelten Europa und Nordamerika. Doch welches Interesse kann eine Gesellschaft haben, deren städtische Lebensräume noch viel mehr als die der abendländischen von Lärm beherrscht werden. Kann sich an Orten, in denen gegen den Lärm der Vehikel und Hupen regelrecht angeschrienen werden muss, ein Sinn für den Klang und die Struktur alltäglicher Geräusche entwickeln, gar ein Bedürfnis diesen Klängen jenseits des Alltags in neuen Zusammenhängen wieder zu begegnen? Werden die Bürger von sogenannten Megastätten ihren Hör-Sinn nicht notwendigerweise auf ein Weghören und Überhören ausrichten und allein im Sinne zweckdienlicher Wahrnehmung gebrauchen – beispielsweise als Überlebensstrategie um nicht überfahren zu werden?
Shanghai hören wagt um diese Fragen herum einen Hörausflug in die südchinesische Hafenstadt Shanghai, wo das Hupen noch der universellen Kommunikation dient und Lärm wie die Selbstvergewisserung des Lebens an sich erscheint.

 

Im Herbst 2010 forschte ich auf Anregung und mit Hilfe des Goethe-Institutes sowie der HfG in Karlsruhe nach Komponisten der elektro-akustischen Musik und Soundartisten in Shanghai. Mein besonderes Interesse galt den nicht-akademischen, subkulturellen Aktivitäten in der 14 Millionen Menschen beherbergenden Stadt, in der sich schnell die eingangs formulierten Fragen aufwarfen. Dennoch stieß ich bei meiner Recherche auf eine kleine Kunstszene, die hinter der alltäglichen Zeichenhaftigkeit der Elemente des Lärms Stimmen, Rhythmen, Klangfarben und tonale Verläufe ausmachen, aufheben und neu gestalten. Oder aber, wie im Falle des Enfant Terrible der akustischen Kunst, den Lärm potenzieren und als „Noise Music“ überzeichnen.
Mit Hörbeispielen, Gesprächen und Originalaufnahmen aus Shanghai widmen sich diese gut 50-minütige Hörreise der akustischen Kunst und der alltäglichen Klangsphäre Shanghais gleichermaßen. (Bitte Kopfhörer aufsetzen!!!)

 

Anthologie: Neue Radiokunst international XXVII
randfunk/SWR 2011
Redaktion: Frank Halbig
Mit Unterstützung des Goethe-Institutes Shanghai und der HfG-Karlsruhe

 

Ursendung: 5.4.2011
Dauer: 54′

Das fortwährende ES… brummt, pfeift, brodelt, knistert und schwirrt – über das Geräusch in der Radiokunst

radiogeraeusch

 

Geräusche sind die wahren Helden des 20./21. Jahrhunderts. Als ohrenbetäubender Lärm oder sinnlich positiv erfahrener Reiz und ästhetisierte Zeugnisse der klingenden Welt revolutionier(t)en sie den Alltag gleichermaßen wie die Künste. Mit der Frage, ob sich hinter der reichhaltigen Verwendung des Geräusches in der Radiokunst eine Systematik und konsequente Entwicklung entdecken lässt, wendet sich Andreas Hagelüken an ausgewiesene Geräuschkenner und Radiokünstler. Er setzt ihre Gedanken in radiophonen Interventionen um und erarbeitet mit den Mitteln von Interview-Montage und Sound-Collage eine sich selbst erzählende Geschichte der Verwendung des Geräusches im Radio und seinen künstlerischen Gattungen.

 

Mit: Beate Andres, Sam Auinger, Markus Bandur, Andreas Bick, Marc Derveaux, Kersten Glandien, Hanna Hartman, Sven Åke Johansson, Jochen Meißner, Gerhard Rühm, Sabine Schäfer, Joachim Krebs

 

Sprecherin: Marlene Wenk
Erzähler: Dieter Schulte
Pythagoras, Regiestimme, Moderation, Souffleur: AH

 

Geräusch-Design: randfunk und Japanese Noise Orchestra unter Ralf Freudenberger
Aufnahme-Technik: Eva Gülker
Redaktion: Angela Großmann und Markus Heuger
Dauer: 53’05’’

 

Studio akustische Kunst, © WDR 2008 / randfunk 08, Ursendung: 30.8.2008

BIENAL INTERNACIONAL DE RADIO in Mexiko City

Mexiko_Kulturkampf

 

Radio ist dank seiner relativ einfachen, technischen Voraussetzungen für einen großen Teil der Bevölkerung Lateinamerikas ein nach wie vor wichtiges Informationsmedium. Traditionell wird die Radiolandschaft auf dem amerikanischen Kontinent von privatwirtschaftlich-kommerziell oder staatlich organisierten Sendern beherrscht, die in ihrer Berichterstattung und politischen Ausrichtung nicht unbedingt unabhängig agieren und das Radio nicht als Kulturträger verstehen. Dem entgegenzuwirken bauten Universitäten aber auch Ministerien öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten auf. Auf dem Land vertraten kleine regionale Bürgerradios die Interessen der Bevölkerung. Lange Zeit waren diese demokratisch und kulturell engagierten Sender untereinander nicht organisiert. Dem entgegen zu wirken und Bürgerradios sowie öffentlich-rechtlich organisierte Sender mit technischem und produktionsästhetischem Knowhow auszustatten, startete 1996 die erste Radiobiennale in Mexiko City mit Hörspielworkshops und einem Hörspielpreis. Man hoffte mithilfe dieses neu eingerichteten Forums auch auf die Revitalisierung der seit den 60er Jahren weitestgehend verloren gegangenen Hörspieltradition in Lateinamerika und die Schaffung eines Radio-Netzwerkes über die Grenzen der Einzellstaaten hinaus.
Zehn Jahre später ist die Radiobiennale in Mexiko City zu einem der wichtigsten internationalen Festivals für Kulturradio und Radiokunst avanciert.
Hab ich im Auftrag des WDR und mit Hilfe des Goethe-Instituts in Mexiko-City besucht, dort einen Vortrag gehalten udn hier einen radiophonen Bericht abgeliefert.

 

Redaktion: Markus Heuger
Produktion: i.A. WDR – Studio akustsiche Kunst 2007 / ca 54’

Soundsurround – verschollen im Raumklang

Keine Tageszeitung ohne ein neues Angebot: DVD-Player für das Heimkino, den absoluten Hörgenuss und ein Leben zwischen den Tönen, nicht mehr viel teurer als eine Stange Zigaretten oder einmal Volltanken; am besten inklusive Lautsprecher-Equipment nebst Subwoofer. Das ist die eine, die konsumorientierte Seite einer vom Fortschritts- und Verkaufszwang getriebenen Industrie. Auf der anderen Seite stehen die künstlerischen Dimensionen des „dreidimensionalen“ Hörens. Hagelüken untersucht Hype und Chancen des neuen Raumklang-Fiebers im Film, in der Musik, der Klangkunst und Radio und seine Vorläufer von Pseudo-Stereo bis zum Kunstkopf-Kult der 70er Jahre. Skizzen zu einer Ideen- und Technik- und Rezeptionsgeschichte des beweglichen Klangs aus der Perspektive der Ars Acustica.

 

mit: Sandra Helmeke (Sprecherin)
und: Gerhard Steinke, Götz Naleppa, Lutz Glandien, Karl-Heinz Stockhausen, Elisabeth Zimmermann , Jean Szymczak, Werner Groß, Thomas Gerwin, Benedikt Bitzenhofer, ein Verkäufer aus Baden, Henrie Pousseur

 

Redaktion: Markus Heuger
Produktion: i.A. WDR – Studio akustsiche Kunst WDR 2004
Dauer: 52′

Doppelpass Meinecke: Moufang

doppelpass Trailer

 

Seit zehn Jahren produzieren der Musiker, DJ und Studiobetreiber David Moufang alias Move D und der Schriftsteller und Musiker Thomas Meinecke gemeinsam popliterarische Hörstücke für die Abteilung Hörspiel und Medienkunst des BR. Für ihr 2007 entstandenes Stück „übersetzungen/ translations“ wurden sie mit dem Karl-Sczuka-Preis ausgezeichnet. Die Jury sah hierin „ein ironisch-reflektierendes Spiel zwischen Sprachen und Stilebenen, zwischen zwei souverän interagierenden Künstler-Freunden, das die Fantasie des Hörers an der langen Leine spazieren führt.“ Ausgehend vom Preisstück, wirft das Portrait einen Blick auf das Werk der beiden Künstler und zeichnet deren ästhetische Ausrichtung und Zusammenarbeit nach.

 

Redaktion: Iris Drögekamp, SWR 2 – Hörspiel 2009
Dauer: 56’18’’

Radioart in the Age of Shopping

Das kritisch-musikalische Hörwerk des Violinisten Jon Rose

 

In seiner Dankrede zur Verleihung des Karl-Sczuka-Preises 2004 ging der in Australien lebende Musiker, Komponist und Radiokünstler Jon Rose auf die Situation der Live-Musik ein und konstatierte, dass eine Art Rückzug aus der Fläche stattgefunden habe. Live-Musik gebe es – wenn überhaupt noch – in den Ballungszentren. Demgegenüber habe die Musik einen inflationären Einzug in den Alltag gehalten, jeder höre Musik bei jeder Gelegenheit und nur als Beiwerk, selten mit der Bereitschaft, ihr seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen. Mit Blick auf den Rundfunk ließe sich ein vergleichbares Bild malen, auch wenn die Radiokunst oder das musikalische Ereignis im Konzertsaal im europäischen Rundfunk derzeit noch existiert und sogar auf Interesse stößt. – »Radioart in the age of shopping« folgt dieser Beobachtung in einer Hörreise durch das Werk von Jon Rose, der zwischen Hörspiel und elektroakustischer Komposition eigene akustische Spielformen entwickelt hat. Einen wahlverwandten Vorläufer fand er in dem australischen Instrumentensammler und Musikforscher Percy Grainger, den er in seinem Sczuka-Preiswerk portraitiert hat.

 

Sprecherin: Doris Wolters
Redaktion: Hans Burkhard Schlichting, SWR 2 – Hörspiel 2005
Dauer: 59:01

knowing is an uneducated form of doubt

Lautpoesie und Dekonstruktivismus – die Vokalkünstlerin Amanda Stewart
amanda Auszug

 

Die Auflösung der Sprache und deren Bedeutungszusammenhänge stehen im Zentrum der Lautpoesie der australischen Autorin und Performerin Amanda Stewart. Ihre Motivation und Methode kann als literarischer Dekonstruktivismus beschrieben werden, während sie als Instrumentarium ihre Stimmbänder und verschieden organisierte Partituren parallel benutzt, um der individuellen Erfahrung des Sprechenden mit dem jeweilig Gesprochenen auf die Spur zu kommen. Amanda Stewart verfolgt die Absicht, hinter aller Auflösung der Sprache zu neuen Bedeutungen vorzudringen, neue Inhalte zu erzeugen.
Wie das geht, also mit welchen Techniken, und welche ästhetischen Überlegungen den Ausschlag dazu geben, steht, neben dem Versuch eine “Lesart” ihrer zum klingen gebrachten Texte zu finden, im Interesse der Sendung. Ebenso werden die Gedichte, Texte und Musiken der Stimm- und Radiokünstlerin selbst vorgestellt.

 

Das Portrait beleuchtet das umfangreiche Werk Amanda Stewarts, und begibt sich in seinem Radio-Mix aus O-Tonmontage, Interview und Kommentar in die klanglich wie sprachlich ungewöhnlichen Gefüge der Stimm- und Sprachkomposition im Umfeld der Lautpoesie.

 

Sprecherin: Sandra Helmeke
Übersetzungen von Jeremy Clarke
Redaktion: Markus Heuger, WDR 3 open: Studio Akustische Kunst 2004

CAN T A L E S

von Martina Groß und Andreas Hagelüken
Cantales_back Auszug

 

Nach Jahren der Zurückgezogenheit brachte die sagenumwobene Formation CAN 1999 mit „Can-Box“ den insgesamt vierten Sampler auf den Markt und meldete sich im gleichen Jahr bei ihren Fans mit einer Konzerttournee (Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt/Main) zurück. Obschon Deutschland den Ursprung CANs markiert, erlangte die Gruppe in den 70er und 80er Jahren besonders in England, Frankreich und den USA Kultstatus und diente einer ganzen Generation von Musikern als Vorbild. Die einzelnen Mitglieder der Band sind über die Jahre ihres Schaffens hinweg zu international anerkannten und gefragten Solisten der experimentellen Musik geworden. Nach Auflösung der Formation arbeiteten alle Mitglieder der Band erfolgreich an eigenen Projekten weiter. Trotz der Einzelwege, nahmen die vier Gründungsmitglieder Holger Czukay, Jaki Liebezeit, Irmin Schmidt und Michael Karoli immer für sich in Anspruch, den „Geist“ CANs in ihren Projekten weiter zu tragen.
CAN T A L E S nimmt die „Rückmeldung“ der Aktivisten unter ihrem legendären Bandnamen zum Anlass, der Geschichte und den um die Band rankenden, zahlreichen Gerüchten bei den Musikern selbst und ihren Fans nachzuspüren.

 

C A N T A L E S ist die klang-experimentelle Auswertung der gesammelten Materialien im Mix mit Musiken, die CAN im Laufe ihres Bestehens hervorgebracht haben.

 

C A N T A L E S ist kein Nachruf auf eine nicht mehr bestehende Band, sondern fügt die Materialien im „Geist“ der Formation und mit den Mitteln des Hörspiels.

 

Redaktion: Markus Heuger, WDR 3 open: Studio Akustische Kunst 2003
Dauer: 51’20“

The fiction isn’t ambient, the ambience is a fiction

Der amerikanische Klangkünstler und Wortakrobat Erik Belgum brachte 2002 nach seiner Komposition „Blodder“ mit „strange neonatal Cry“ ein weiteres Stück heraus, das er formal als „ambient fiction“ bezeichnet. Darauf angesprochen verwies er auf die Erfahrung einer sich ändernden Raumwahrnehmung in Abhängigkeit der in ihm stattfindenden Ereignisse; beispielsweise bedingt ein Raum in den von nebenan her ein Gespräch dringt, eine wesentlich andere Wahrnehmung des Raumes als ein solcher, in dem nichts zu hören ist. In diesem Sinne verfolgt Belgum mit dem Vortrag seiner Texte das Ziel der Erstellung einer spezifischen Klangwelt und nicht die Vermittlung eines allein textbasierten Inhaltes. Das Portrait beleuchtet das umfangreiche Werk Erik Belgums mittels Radio-Mix aus O-Tonmontage, Interview und Kommentar im Spannungsfeld zwischen Fiktion als gedachter Umgebung und Umgebung als (bloßer) Fiktion.

 

Redaktion: Markus Heuger WDR Studio Akustische Kunst, 2003
Dauer: 53’21

Sex Pistols

sex_pistols

 

Dauer: 54’22“

Fresh Water

von Rainer Untch und Andreas Hagelüken

 

Das Dorf Chembe ist einer der spärlichen Urlaubsorte am Ufer des Lake Malawi. Nur über eine holprige Piste auf der Ladefläche eines überfüllten Pick-up zu erreichen, ist dieser Ort – unter Reisenden in Malawi besser bekannt als Cape Maclear – ein beliebtes Urlaubsziel für zumeist jugendliche Touristen aus Europa und Übersee. Mit seinen wenigen, einfachen Unterkünften und Bars ist Chembe eher als Dorf denn als reiner Touristenort anzusehen, und doch ist das Leben der meisten Bewohner zu sehr von den Azungu – den Weißen – und ihrem Portemonnaie abhängig, um von deren Welt nicht entscheidend beeinflusst zu werden.

 

An einem unserer ersten Abende in Chembe begegneten wir in einer der Bars entlang des Seeufers dem Musiker James Msalakwa. Auf seiner Gitarre trug er mit elegantem Hüftschwung den wenigen dort versammelten Touristen seine Lieder vor, um etwas Kleingeld zu verdienen oder auf ein Bier eingeladen zu werden. In seinen fröhlich klingenden Songs thematisierte er die unmittelbaren Probleme des malawischen Alltags – von Umweltfragen, wie Versteppung, Erosion und Überfischung, über AIDS bis hin zum mangelnden Respekt der Kinder für ihre Eltern. Diese merkwürdige Mischung aus ausgelassener Tanzmusik und ernsthaftem Anliegen weckte unser Interesse und wir beschlossen, ihm am nächsten Tag einen Besuch abzustatten.
Autorenproduktion 1998
Dauer: 22’04“

Ton Steine Scherben

scherben

 

Autorenproduktion 1998 Trailer

Grausame Geräusche – Fauler Wiesn-b31-Klangort

Audiotop zwischen Glasfassade und Beton aus
– > der elektro-akustischen Komposition „les bruits affreux – homage à Henri Chopin“ des Berliner Lautpoeten Valeri Scherstjanoi und Andreas Hagelüken (WDR – Studio Akustische Kunst 2009)
und
-> der permanenten Stadtinstallation B31
-> Text-Körper (Lackdruck auf Steingut) aus dem Manifest zu einer Systematischen Audiologie

 

Skulpturenpark, Kunst auf der Liegewiese (Freiburg, 17.9.2017 – 26.5.2018)

 

Idee und Ausführung: Andreas Hagelüken
Lautspiel: Valeri Scherstjanoi
Technische Unterstützung: Konrad Wallmeier
Dank an: fotofachlabor peter trenkle

DER ORT
Die ursprüngliche Radiokomposition „les bruits affreux“ wird hier an einen neuen, der Hörästhetik des Radioraums akustisch entgegen stehenden Klangort verbracht: akustisch beherrscht von Freiburgs Stadtautobahn, Dauerberieselung und Sinnbild des pulsierenden Lebens mit seinen Begleiterscheinungen wie einer i.d.R. unterbelichtet reflektierten krachenden Mobilität. Durch das Dauerrauschen verlieren sich die kompositorischen Details des lautpoetischen Stückes. Nur des nachts, wenn der Verkehr zur Ruhe kommt, wäre das Stück in Gänze überhaupt zu hören – doch dann ist der Park geschlossen. Im Hören vor Ort bleibt so allein der Eindruck einer übergreifenden Struktur und Materialästhetik, die – je nach Hörhorizont des Rezipienten – emotional und auch semantisch rückgekoppelt wird. Die Deutlichkeit der Wahrnehmung schwankt mit den Ampelphasen und dem jeweiligen Verkehrsaufkommen. Jedmaliges Hören lässt andere Details der überwiegend mittels Mund, Rachen, Zunge und Lippen sowie den Stimmbändern erzeugten lautpoetischen Motive aufscheinen. Aber es geht gar nicht so sehr um das Stück selbst.

 

Der Rezipient findet sich in einer spannungsreichen Situation zwischen seinem Wissen um das eigentlich zu Hörende und der situationsbedingten Unmöglichkeit, seinem Wunsch vor Ort zu folgen. Unzufriedenheit, Aggression, ja blinde Zerstörungswut können die Folge sein. Neugierde und die selbstkritische Situationsanalyse aber wären höchstwahrscheinlich passender. In diesem Spannungsfeld entsteht ein neues Hörsubjekt und mit ihm ein neues Stück.

Die Betonwand kann die Autobahn nur visuell draußen halten HÖREN SEHEN wie SEHEN HÖREN
Der oder das Audiotop (lat. ich höre, von audire hören und gr. τόπος tópos „Ort“) bezeichnet einen bestimmten, hörend erfassten Ort, auch Hörraum, samt aller in ihm erkennbaren Impulse.

Der akustisch repräsentierte Ort (Klangraum) und das hörende Subjekt sind gleichermaßen Bedingung der Möglichkeit eines Audiotops. Allein ihr Zusammenspiel definiert es.

Der Hör-Ort ist das Behältnis der Impulse und erfährt durch sie seine Begründung ebenso wie durch Erfahrung und Sozialisation des hörenden Subjektes, das das Gehörte nach seinen Fähigkeiten filtert und ausliest. Audiotope sind instabil und flüchtig.

Der Begriff des Audiotops als Gegenstand der Systematischen Audiologie findet sich in Konsequenz einer Kompositionspraxis, die sich in jeglicher Form seit Beginn des 20. Jahrhunderts dem konkreten mit profaner Weltlichkeit aufgeladenen Klangmaterial zuwendet.

(aus: Manifest der Systematischen Audiologie)

DAS MANIFEST
Auf Stein aufgetragene Theoriefragmente aus dem Forschungsgebiet der „Systematischen Audiologie“ definieren den Ort als „Audiotop“ und informieren den Rezipienten über seine Situation und die Spannung, in der er sich an diesem Ort mit diesen Klängen befindet: zwischen den dem Hörraum immanenten Impulsen (Verkehrslärm und Reflexionen des Stadtkörpers), ihrer subjektiven Einordnung und einer stetig individuell filternden ästhetischen Wahrnehmung der lautpoetischen Noise-Komposition. Was ist das für ein Ort? Wie sieht er aus? Wie hört er sich an? Inwiefern höre ich was ich sehe und umgekehrt. Was also ist wirklich hier? Was macht ihn als Ort akustisch aus und welchen Kontext stelle ich im Hören her? Wie komme ich zum Hören des Stückes? Darf ich überhaupt versuchen, das Stück ohne den Ort, an den es verbracht wurde, anhören zu wollen? Sehen Sie es wie Sie es wollen – oder besser noch: hören Sie’s doch!

 

Grausame Geräusche – Fauler Wiesn-b31-Klangort
17.Sept. 2017 – 26.Mai 2018, tägl. (außer Donnerstags) 12-20 Uhr
Eingang über „Pool Café Faulerstr.1.

 

DAS AUDIOTOP – DER HÖRORT
Zukünftig werden wechselnde Klangkünstler/innen und Komponist/inn/en eingeladen, für diesen bislang akustisch kaum reflektierten Ort Hörkonzepte zu entwickeln. Die allein visuell präsente Liegewiese wird durch das Postulat des Audiotops um die kreative Lesart der permanenten Stadtinstallation Bundesstraße 31 erweitert.

 

siehe auch FB: s. auch bei FB

Klappe zu Affe tot

Kinetische Spind-Klang-Installation
Klappe zu.... aber der Affe ist auf hab acht!

Klappe zu…doch bleibt der Affe auf hab acht!


Skulpturenpark, Kunst auf der Liegewiese (Freiburg, 18.9.2016 – 24.5.2017)
Blechspint, mechanischer Klatschaffe (Max Carl *1957),
Audioplayer, Lautsprecher, elektrischer Motor, Unterbrecher, roter Vlies

 

Mechanikumbau: Konrad Wallmeier
Dank an Raymond Curtis

Für die Einen ist die Klappe der Deckel einer Schatulle oder Box. Auf das Dahinter werfen sie nur im Äußersten einen kurzen und scheuen Blick.

 

Andere robben – angetrieben von Aufklärungswillen und Forschergeist, radikaler Selbstbereinigungsabsicht oder Klärungswut – unbeirrbar heran an den Herd der Unruhe, lösen sich entgegenstellende Fragen, räumen mögliche Hindernisse und alles was den Blick versperren könnte ungeduldig zur Seite, öffnen jede Klappe, bis sie nicht mehr anders können als der nackten Wahrheit (hier: dem Affen) ins Antlitz zu sehen. Die eigene Klappe nicht selten auf, schlagen sie die zum Affen dann schnell wieder zu. Oder halten sie – für alle sichtbar – geöffnet, auf dass der Affe in die Welt hinaus schreie oder einfach – als Hoffnungsträger etwa (?) – in sie entschwinde.

 

Und dann sind da noch die, für die ist es ein offenes Geheimnis, an dem sie ohnehin nicht zu rütteln vermögen. Na und? Was soll’s! Solange die Klappe noch schließt?!?

 

Klappe zu Affe tot!?!

 

An-Aus. Eins-Null. Schwarz-Weiß. Auf-Zu. Wem welcher Affe zugetan, entscheidet sich immer erst mit dem Blick der auf ihn trifft.
Wer aber mag noch glauben, dass der Affe bei geschlossener Klappe wirklich tot ist?

Dreiland-Dada – eine Raumklanginstallation

DreilandDADA_kl Auszug

 

Drei Länder, drei Kulturen, drei spezifisch klingende Landstriche – eine Region, auch Dreiländereck genannt. Das ist der Ausgangspunkt der raumspielenden Installation Dreiland-Dada, in dessen Verlauf sich aus den drei separat auftretenden Mundartvarianten des Alemannischen ein gemeinsamer Klangraum entwickelt.

 

Inmitten des Klanges der drei Weisen des Alemannischen stehend erfährt man die Eigenarten der jeweiligen Mundart ebenso wie die Gemeinsamkeiten. Es entsteht im Raum ein Spiel aus Lauten, Sprachrhythmen und -melodien als dynamisches Aufeinander-zu-gehen und Zurücktreten. Die Gemeinsamkeiten im Klang treten immer stärker hervor. Gleichzeitig wird der anfänglich als konkret verstandene Text in seine Lautlichkeit überführt und musikalisiert – ein Dada-Raumklang-Sprachkonzert.

 

Dreiland-Dada wurde mit Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung und dem Kulturamt der Stadt Freiburg im Rahmen des grenzüberschreitenden Projekts Transborder entwickelt.

 

von: Thomas Loop, Ephraim Wegner und Andreas Hagelüken
mit: Gérad Leser (F), Liliane Bertolini (F), Stefan Pfaum (D), Cornelia Ebinger-Zöld (D), Beatrice Burkhardt (CH), Jürg Burkhardt (CH)

 

Basel (Oslo 10), Freiburg (E-Werk), Bourogne (Espace Multimedia Gantner)
TRIPTIC 2013/14 – transborder

ligne infinie… endstation freiburg

8-Kanal-Lautsprecherinstallation von Ephraim Wegner und Andreas Hagelüken
ligne_mappa

 

Wohin die Fahrt auch geht:
Wir gehen davon aus, dass der überwiegende Teil der Fahrgäste einer Straßenbahn nicht Tram fährt um des Tramfahrens willen.
Jeder Fahrgast wird vermutlich irgendwohin wollen. Manche bleiben vollkommen bei sich, manche verbringen die Fahrzeit beobachtend, schauen umher oder beginnen sogar ein Gespräch mit den Nachbarn. Andere überlegen sich Geschichten zu ihren Mitfahrern oder urteilen über sie. Manche kapseln sich auch vollkommen ab, blicken leer und sind für niemanden da. Manche aber warten allein auf ihre endliche Ankunft. Wir beschließen, dass sie es sind, von denen am ehesten gesagt werden kann, sie wüssten wohin sie wollen und warum. Alle anderen, in ihrer Motivation hier nicht weiter spezifizierten, nennen wir der Einfachheit halber die Anderen, denn wo kämen wir hin, wollten wir auch noch den Schüchternen und Selbstdarsteller zu Wort kommen lassen. Alle Fahrgäste, so beschließen wir weiter, fahren – wie in jeder Straßenbahn – in der „TriTram“ durch die imaginäre „TriStadt“ STASBASEIBURG. Sie wählen für ihren Weg eine der vier Bahnen dieser herrlichen Stadt, besteigen die gelbe, rote, grüne oder blaue Linie und fahren von WER, über WAS, WOHIN, WIE, WARUM-Unterführung oder -Mitte, bis WANN oder gar ENDSTATION. Das tun sie aus den genannten, uns unbekannten oder besagten anderen Gründen.
Manche wissen ja nicht, wohin sie wollen. Wer aber weiß wohin, wird auch wissen, was er da soll. So ist es ein Kommen und Gehen während der Fahrt auf der „TriTram“ und es bringt auch nichts, noch länger davon zu erzählen. Besser ist, einfach aufzuspringen, denn allein der Weg ist das Ziel, wohin die Fahrt auch immer geht.
TriTram: wir wissen es!

 

Sprecher: Jan F. Kurth
Alter Wiehrerbahnhof, Freiburg – 9.2. bis 9.3.2014

 

TRIPTIC 2013/14 – Sound Surround

decisions 02

Hörspiel/Installation von Christoph Mayer chm. und Andreas Hagelüken
Decisions02_A_quer Trailer

 

Weiße kontrastlose Weite. Der Besucher betritt sie allein. Über Kopfhörer spricht eine Stimme zu ihm und führt ihn. Die Stimme könnte die eigene innere Stimme sein. Decisions erforscht den Raum, der in einem selbst entsteht, wenn man die Positionen anderer zu verstehen versucht. Wenn man sich tief in andere Menschen hineinversetzt, werden die Beweggründe ihres Handelns nicht mehr bewertet. Gibt es dann noch so etwas wie eine eigene Position? Welcher Zustand ist das?

 

mit: Ulrich Noethen
Musik: Kai-Uwe Kohlschmidt / randfunk
Produktion i. A.: hr2-kultur, Deutschlandfunk 2011
Redaktion: Ursula Ruppel
Dauer: 36’15

 

Inszeniert im Rahmen der Frankfurter Positionen 2011

FONTANE

Hörspiel-Installation aus historischen Theodor Fontane Vertonungen der ARD und des Rundfunks der DDR anlässlich seines 200. Todestages.
Neuruppin 1998

MOORHENNIES-PFAD

Ein Wanderpfad mit 31 Kopf-Hör-Stationen im Umland des Steinhuder Meers bei Hannover
Eröffnung: 18. September 2016
WEBSITE des MOORHENNIES-PFAD mit Texten und Sounds zum Projekt

 

fünf aus 31

Station 31: Schmetterlingswiese – Miniatur zu einer vom Naturschutzbund angelegten Wiese.
Musik: Thomas Loop

 

Station 8: Moorkrug – Miniatur zu einer ursprünglich 1754 gebauten Jause zwecks Stationierung eines Moor-Vogts und Überwachung des Schiffsgrabens. Der Moor-Vogt hatte auch Reisende zu bewirten.
An dieser Stelle taucht auf dem Hörweg zum ersten Mal die Sage des Moorhennies aus dem 30-jährigen Krieg auf und mischt sich unter die O-Töne um den tatsächlichen Moorkrug…
Mit: Theater fensterzurstadt

 

Station 17: Der älteste Friedhof Poggenhagens.
Schon in der Jungsteinzeit erfreute sich Poggenhagen großer Beliebtheit. Davon zeugen Hügel im Wald. Steinbeile und Urnen wurden hier gefunden. Doch kein Amt und keine Behörde findet sich, das für die Audiospur des Moorhennieswegs zu erläutern. Ein paar unerschrockene Bürger Poggenhagens und des Ortsteils Moordorf finden sich vor Ort ein, um an den Hügeln der vermutlichen Gräber gemeinsam zu überlegen was das wohl ist, diese Hügel in ihrem Wald…
Musik: Thomas Loop

 

Station 09: Industrieller Torfabbau.
Poggenhagen war einst auch Standort der Firma Dyckerhoff, baute Torf in großem Stil ab und stellte die verschiedensten Produkte daraus her.
Musik: Thomas Loop

 

Station 2: Lindenhof – Miniatur zu einem 1936 errichteten Musterhof zur mutmaßlichen Förderung der Selbstversorgung im Land – und was daraus wurde.
Musik: Thomas Loop

AUDIOWEG GUSEN

Das unsichtbare Lager

 

Ein Projekt von Christoph Mayer chm, 2007 ff

 

Ein linearer Hörweg über 90 Minuten durch zwei überbaute Konzentrationslager des Nazionalsozialismus in Oberösterreich. Trailer

 

zur Website