öffentliches Telephonieren
Berlin, New York, Mailand, Bangkok!

Wir sammeln lauthals und öffentlich vorgetragene Telefonate

Die Erfindung des Telefons eröffnete den Menschen einen erweiterten, weil über den der Rufweite hinaus reichenden, elektro-akustischen Kommunikationsraum.
Man rief jemanden in der Ferne an. Doch bald schon konnte sich der Fernrufer dank fortschrittlicher Übertragungstechnik und besserer Wandler als relativ entspannter Fernsprecher betätigen. Telefon ist Fernsprechapparat zwischen eigens dafür eingerichteten Fernsprechräumen.

Der weitere Fortschritt des Fernsprechens befreite mit der Mobiltelefonie sodann den Sprecher von seinen fixierten Sprechräumen. War er früher durch Festinstallationen der Sprechapparate im Abseits oder eigens entwickelten Sprechkabinen vor möglichem Lärm seiner jeweiligen Umgebungen (und diese vor ihm) geschützt, so können die Telefonierenden heute den Ort ihres Fernsprechens selbst wählen. Ebenso sind sie ortsunabhängig erreichbar, was nicht selten öffentlich absolvierte Fernsprechakte provoziert. Dabei führt sie der gelegenliche Lärm ihrer Umgebung und der ebensfalls weiter fortgeschrittene Individualismus (das in seinem Selbst gefangene Subjekt) zu einer beinahe autistisch anmutenden Wiederannäherung an das ursprüngliche Fernrufen. Klar, wer nicht länger aus geschützen Räumen heraus spricht, muss sich den Schutz mit seinem Selbst errichten indem er (oder sie) sein (oder ihr) aktuelles Umfeld verdrängt. Der Fernsprecher wird erneut zum Fernrufer.

Im Alltag führt dies zu einer Regelmäßigkeit öffentlich vorgetragener Kommunikationsfragmente mit tendenziell nicht öffentlichen Inhalten, die zunehmend als unvermeidbare Alltagsgeräusche verstanden werden (wie Verkehrsgeräusche, Warnsignale, Stimmengewirr und Schritte von Passanten). Alltagsgeräusche jedoch haben sich auch weiter entwickelt: sie wurden im 20. Jahrhundert zu Kompositionsmaterilalien. Warum also nicht auch öffentlich geführte Telefonate aus ihrem Dasein als akustischer Müll befreien und kreativ kompositorisch damit arbeiten?

AKTION
Nehmen Sie Ihr eigenes Multifunktionstelefon, Ihren ohnehin mitgeführten Flashrekorder oder gleich das mobile Aufnahmestudio und zeichnen Sie die Teilgespräche ihrer Umgebung auf. Da Sie, wie auch die Telefonierenden öffentlich agieren, dürften die Aufgezeichneten nichts gegen Ihr Tun einzuwenden haben.
Fragen Sie den oder die Telefonierer/in nach den unten aufgelisteten Daten, denn auch das öffentliche Telefonieren ist Synonym für das gleichzeitig geschwundene Bewusstsein einer gewissen Sensibilität gegenüber privaten Daten. Wer weiß denn schon ob Herr X oder Frau Y, über die da so freimütig gesprochen wird, mit der Veröffentlchung ihrer Lebensgeschichte oder Probleme einverstandenn sind? Und wie gesagt: die Veröffentlichung findet nicht etwa durch Ihr Einschreiten (mit Aufnahmegerät), sondern durch Ihre ungefragte Beteiligung statt!

Schauen Sie, wie weit Sie kommen, und weisen Sie auf die im Telefonat ohnehin freiwilligen Verlautbahrungen während des Telefonierens in der Öffentlichkeit hin. Suchen Sie drei (3) kuriose Minuten aus Ihrem Mitschnitt aus, und senden Sie sie als mp3 an r a n d f u n k. Sie können auch verschiedene Passagen des Telefonates zu drei Minuten zusammen schneiden.

Bezweckt ist im ersten Schritt eine Sammlung und damit ein Katalog möglichst verschiedener, öffentlich geführter Telefonate, die auf den Seiten von r a n d f u n k zugänglich gemacht werden. Im Weiteren könnte man diese Ausschnitte dann zu Geschichten, Stimmungsbildern, thematischen Blöcken oder artifiziellen Gesprächen zusammen fügen. Die daraus entstehenden Hörstücke oder Miniaturen werden über r a n d f u n k ausgestellt.

Fragen zu Daten der Telefonierenden können sein

Name

Zweck des Telefonates

Rufnummer (falls jemand rückrufen möchte)

Handytyp (ganz wichtig!)

Alter

Beruf

Hobby(s)

Und viellleicht ergibt sich aus der Aufnahmesituation sogar ein interessantes Gespräch, gar eine Freundschaft für's Leben? Oder ein interessanter Mitschnitt eines zeitgenössischen Streitgespräches?
Versichern Sie sich im Zweifelsfalle der Solidarität Ihrer Mitmenschen (und ebenfalls unfreiwillig Teilhabenden). Auch das hat Potenzial für ein aufregendes und lebendiges Arbeitsmaterial!

Senden Sie Ihre höchstens dreiminütigen Mitschnitte bitte an: radioTesla[ät]randfunk.de

Und jetzt wünschen wir Ihnen eine angenehme Reise!


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