IDEE
Im Hörfunk haben sich verschiedene Genres und Gattungen bzw. Formate durchgesetzt.
Da gibt es Nachrichten, Studiogespräche, Musik, Feature, Hörspiel,
Unterhaltung und Klangkunst. Studiogespräche sind ernsthaft, Nachrichten
sachlich, Feature ist polemisch oder persönlich und auf jeden Fall journalistisch fundiert, Hörspiel erzählt meistens, Unterhaltung
dudelt und Klangkunst ist individuell und räumlich gebunden.
Die Erwartungen werden erfüllt, was durchaus sein Gutes hat. Aber: diese Sicherheit könnte auch Stagnation
der kulturellen Auseinandersetzung bedeuten.
r a n d f u n k positioniert sich am Rande der bisherigen Formate oder zwischen den redaktionellen Grenzen, ist
also gewissermaßen immer auch Glückssache in bisherigen Hörfunkprogrammen.
Es gibt für "Radios im Sinne der Glückssache" aber auch Beispiele in der Welt, in London das
freie Künstlerradio Resonance FM, das naturgemäß einen heißen Draht zu erfrischenden Aktionen und
Initiativen der experimentellen Musik- und Sound Art Szene hat,
in Quebec das Radionetzwerk CKIA FM, auch das österreichische Kunstradio, es haben sich sogar Nieschen im Umfeld öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten
gebildet, die hoch komplexe und hörintensive Produktionen in Auftrag geben und sogar senden! Es gab in den 70er bis 90er Jahren eine ganze Menge davon aber einige sind - wie
der "listening room" der ABC in Australien, das "Cafe Sonore" von VPRO in den Niederlanden (etc.) - schon wieder Geschichte.
Natürlich gibt es auch noch im Deutschlandradio und in den ARD-Kulturradios gelegentlich neben den Hörspielplätzen Strecken für
experimentelle oder dazwischenhockende Soundarbeiten, genauer bei WDR, SWR, HR, BR., aber - gemessen an der Fülle des Materials - eben nicht genug. Also: mehr davon bitte, ja? (...)
r a n d f u n k hat ebenso hohe Qualitätskriterien, wie der öffentlich-rechtliche Hörfunk in Deutschland,
nur sind diese Kriterien nicht primär formatbezogen, sondern eng mit dem jeweiligen Material verknüpft, gehen gewissermaßen aus themenbedingten Material hervor.
Form und Inhalt finden sich in einer Wechsellbeziehung, welche mitunter dafür sorgt, dass was Anderes hinten raus kommt als vorne gedacht war
- schwierig für Redaktionen mit festem Sendeprofil
r a n d f u n k arbeitet mit dem Überaschungseffekt, aber auch der Möglichkeit,
durch verwirrungstiftende, gleichgültige, unspektakuläre oder offene Konzepte den Hörer neugierig
zu machen.
Auf r a n d f u n k finden sich neben Hintergründen zum Label auch Hinweise auf experimentell gestimmte Radioinitiativen und darüber hinaus Kommentare
zu Programmen, die den Radiobetrieb differenziert verstehen; jenseits der bloßen Serviceberieselung und eines immer mehr um sich greifenden,
staubigen Kulturformatbegriffes mit seiner permanenten Wiederholung aller Highlights der sicherlich großartigen Musikgeschichte
aus den letzten, aber längst vergangenen Jahrhunderten sogenannter "ernster" Kompositionstechnik. Die Audioaktivisten
weltweit sind dank ihrer technischen Unabhängigkeit von Radiostationen zahlreich. Ihre Arbeit gilt es, einer zunehmend interessierten
Öffentlichkeit zugänglich oder die bislang Nicht-Interessierten auf ihren gewaltigen Irrtum
(mit allen seinen Folgen für Leib, Seele und Leben) aufmerksam zu machen.
Nicht nur schön sondern auch wichtig wäre es, wenn die Rundfunkhäuser ihre tragende Rolle dabei wieder neu entdeckten.
Bleibt allein die Frage wer dort hat den Mut dazu, oder ließe sich das sogar erzwingen?